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Das zweite „kleine Wunder“ nach Brustkrebstherapie

Bettina Wassermann wurde nach Kältekonservierung von Eierstockgewebe erneut schwanger

Vor gut zwei Jahren brachte Bettina Wassermann ihr erstes Kind zur Welt. Sie war die erste Frau in Baden-Württemberg, die nach der Kältekonservierung von Eierstockgewebe schwanger wurde, das man ihr vor einer Brustkrebstherapie entnommen hatte. Über das kleine medizinische Wunder wurde damals bundesweit berichtet. Jetzt durfte die ehemalige Brustkrebspatientin der Frauenklinik des Marienhospitals Stuttgart ihr zweites „kleines Wunder“ in die Arme schließen. Am 25. Juli um 13.45 Uhr kam es im Marienhospital in Gestalt ihrer Tochter Pauline auf die Welt.

Kryokonservierung: zweite erfolgreiche Geburt nach Brustkrebs

Ende Juli 2017 brachte die ehemalige Brustkrebspatientin Bettina Wassermann (links) ihr zweites Baby, Töchterchen Pauline, auf die Welt. Mit ihr freuen sich ihr Sohn Elian sowie die betreuenden Ärzte Privatdozent Dr. Manfred Hofmann (Mitte) und Oberärztin Dr. Renus Buss-Steidle vom Marienhospital.

Diagnose Brustkrebs

Putzmunter, 4450 Gramm schwer und 57 Zentimeter groß: Der kleinen Pauline sieht man nicht an, dass sie auf unkonventionelle Art ins Leben kam. „Ich habe im Jahr 2010 einen Knoten in meiner rechten Brust ertastet, und nach zwei Arztbesuchen stand dann schnell die Diagnose Brustkrebs fest“, so die heute 39-jährige gebürtige Sigmaringerin Bettina Wassermann.

Erst mal zählte nur das Überleben

„In der ersten Panik dachte ich nur daran, ob ich die Krankheit überleben würde. Was danach kam, spielte erst mal keine Rolle“, erinnert sie sich. „Heute bin ich den Ärzten des Marienhospitals sehr dankbar, dass sie mich sofort fragten, ob ich irgendwann Kinder wolle. Und dass sie mir, als ich das bejaht hatte, den Tipp gegeben haben, mich an die Heidelberger Uniklinik zu wenden, um Gewebe meiner Eierstöcke vor der Chemotherapie einfrieren zu lassen“, so Bettina Wassermann.
    „Durch die Chemotherapie ist die Fruchtbarkeit von Brustkrebspatientinnen häufig eingeschränkt“, erläutert Privatdozent Dr. Manfred Hofmann, der Ärztliche Direktor der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe des Marienhospitals. Schon länger sei es daher möglich, dass Frauen einige ihrer Eizellen einfrieren und sich nach der Chemotherapie wieder einpflanzen lassen. „Das habe ich auch machen lassen, aber man sagte mir, dass es noch eine weitere ganz neue Möglichkeit gäbe. Deshalb sind die Ärzte bei mir zweigleisig vorgegangen“, sagt Bettina Wassermann.

Neue Methode ausprobiert

„In Heidelberg war erst kurz vor meiner Erkrankung ein Verfahren ausprobiert worden, das Frauen nach einer Chemotherapie zu einem Kind verhelfen sollte“, so die Patientin. Es war zwar bis zu diesem Zeitpunkt in Deutschland noch kein einziges Kind mithilfe der neuen Methode auf die Welt gekommen, „aber da es sich um einen kleinen, nur zwanzig Minuten dauernden Eingriff handelte, wollte ich es zumindest ausprobieren“, erinnert sich Bettina Wassermann. Ihr wurde in der Kinderwunschambulanz der Heidelberger Uniklinik ein Drittel vom linken Eierstock entfernt. „Die zehn jeweils rund fünf Millimeter großen Gewebestücke wurden dann in einem Institut der Bonner Universitätsklinik kryokonserviert, also in flüssigem Wasserstoff tiefgefroren. Das Gewebe sollte erst nach der Chemotherapie wieder eingesetzt werden.“

Neue Methode ausprobiert: Eizellen und Eierstockgewebe entnommen

Zur Brustkrebsbehandlung gehört meist auch eine Chemotherapie. Viele Patientinnen können im Anschluss aber keine Kinder mehr bekommen. Deshalb rieten die Marienhospital-Ärzte Bettina Wassermann, sich vor der Chemo einen Teil ihres linken Eierstocks operativ entfernen und einfrieren zu lassen.
Im August 2016 wurde in Heidelberg der Rest des Eierstockgewebes eingepflanzt, das man vor ihrer Krebsbehandlung tiefgefroren hatte. Einige Wochen später setzte Bettina Wassermanns Zyklus wieder ein und sie wurde erneut schwanger.

Heirat vor der Krebstherapie

Einen Tag vor dem Eingriff heiratete Bettina Wassermann ihren Mann Philipp. Die beiden hatten sich vor zwölf Jahren als Architekturstudenten in Stuttgart kennengelernt und sind heute beide als Architekten tätig. Danach folgte die Krebsbehandlung am Brustzentrum des Marienhospitals mit Operation, Bestrahlung und Chemotherapie. „Die Marienhospital-Ärzte schafften es, meinen Brustkrebs zu heilen. Die Behandlung erfolgte brusterhaltend, es blieb mir also eine Brustamputation erspart“, sagt die 39-Jährige. Im Dezember 2013 entschied sie sich gemeinsam mit ihren Ärzten, das Eierstockgewebe zurückzuverpflanzen. „Das geschah wieder in einem kleinen Eingriff in Heidelberg“, so Bettina Wassermann.

Eierstockgewebe erfolgreich rückverpflanzt

Und Bettina Wassermann hatte Glück. Die Rückverpflanzung gelang auf Anhieb. „Ich hatte mich zuvor wie in den Wechseljahren gefühlt, weil meine Eierstöcke ja nach der Chemo kein Östrogen mehr erzeugt haben“, sagt sie. „Kurze Zeit nach der Rückverpflanzung fühlte ich mich aber wieder besser, denn mein Körper produzierte wieder Östrogen, und mein Monatszyklus kehrte ganz normal zurück.“ Schon im April darauf war Bettina Wassermann schwanger. Zur Entbindung ging sie wieder ans Marienhospital, wo zuvor schon ihre Krebsbehandlung stattgefunden hatte. „Unser gesamtes Team hat sich sehr mit Frau Wassermann und ihrem Mann gefreut“, so Dr. Renu Buss-Steidle, Oberärztin am Brustzentrum des Marienhospitals. „Denn leider klappt es bei vielen jungen Brustkrebspatientinnen mit dem Schwangerwerden ja nicht mehr.“ Nach einer ganz normal verlaufenden Schwangerschaft kam dann am 23. Dezember 2014 der kleine Elian gesund und munter auf die Welt „Und mit meiner gesunden Brust konnte ich meinen Sohn sogar stillen“, sagt seine Mutter.

Zum zweiten Mal Glück

Bettina Wassermann hatte sogar zweimal Glück und wurde nochmals schwanger. Im August 2016 wurde ihr in Heidelberg der Rest des Eierstockgewebes eingesetzt, das man vor ihrer Krebsbehandlung tiefgefroren hatte. Einige Wochen später setzte Bettina Wassermanns Zyklus wieder ein, und sie wurde erneut schwanger. Mit ihrer gesunden Brust stillen will sie auch Töchterchen Pauline wieder, die sie nach einer anstrengenden, aber völlig normal verlaufenden Spontangeburt in Empfang nehmen konnte. Bundesweit dürfte Bettina Wassermann erst die zweite Mutter sein, die nach Kryokonservierung von Eierstockgewebe ihr zweites „kleines Wunder“ erleben konnte.

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