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25 Jahre Palliativstationen am Marienhospital (Teil 2)

Wie hat sich die Palliativmedizin in 25 Jahren entwickelt?

Heute hat das Marienhospital Stuttgart zwei Palliativstationen mit je zehn Betten.
Sie sind dem Zentrum für Innere Medizin III (Onkologie) und der Klinik für Strahlentherapie zugeordnet. Die beiden Stationen standen seit ihrer Gründung 22 Jahre lang unter der Leitung von Dr. Elisabeth Bürger. Nachdem diese 2014 in den Ruhestand ging, wurde Dr. Martin Zoz leitender Mediziner der Palliativstationen.

Interview mit Dr. med. Martin Zoz, leitender Oberarzt und Leiter der Palliativstationen

Rainer Kruse von der Abteilung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit befragte den Mediziner zu seiner Arbeit:

Leitet seit 2014 die Palliativstationen: Dr. Martin Zoz

Die beiden Palliativstationen im Marienhospital Stuttgart standen seit ihrer Gründung 1992 zweiundzwanzig Jahre lang unter der Leitung von Dr. Elisabeth Bürger. Nachdem diese 2014 in Ruhestand ging, wurde Dr. Martin Zoz leitender Mediziner der Palliativstationen.

Redaktion: Herr Dr. Zoz, wie hat sich die Palliativmedizin in den letzten 25 Jahren entwickelt und verändert?
    Dr. Zoz: Anfangs galt Palliativmedizin als Medizin der letzten Tage. Wer auf einer Palliativstation behandelt wurde, hatte meist nur noch eine geringe Lebensspanne vor sich. Heute ist es das Ziel, etwa bei einer Krebserkrankung schon früh palliativ, also lindernd, tätig zu werden.

Redaktion: Wie reagieren Patienten, wenn ihnen vom Arzt empfohlen wird, sich auf einer Palliativstation weiterbehandeln zu lassen?
    Dr. Zoz: Für manche Patienten ist das zunächst entsetzlich, weil in der Öffentlichkeit immer noch die Meinung vorherrscht, eine Palliativstation sei eine Sterbestation. Dabei ist unser Ziel ja die Symptomlinderung. Hat ein Patient beispielsweise Lungenkrebs in einem unheilbaren Stadium, so leidet er häufig unter extremer Atemnot, weil der Tumor die Bronchien verstopft. Wir können den Patienten zwar nicht heilen, ihm aber die Erstickungsangst nehmen, indem wir die Bronchien durch Bestrahlung oder Operation wieder durchlässig machen. So bekommt der Patient dann wieder gut Luft. Bei Knochenkrebs, der zu starken Schmerzen führt, können wir dem Patienten oft schon durch eine einmalige Bestrahlung helfen; und zwar, indem wir Tumorgewebe zerstören, das in einen Nerv hineinwächst und starke Schmerzen erzeugen kann.

Redaktion: Was ist denn die häufigste Behandlungsart auf einer Palliativstation?
    Dr. Zoz: Am häufigsten behandeln wir Schmerzen, Übelkeit etc. medikamentös, also etwa mit Morphium. Ist der Patient medikamentös gut eingestellt, kann er zurück nach Hause. Manche Patienten kommen über Jahre hinweg immer mal wieder zu uns zur Behandlung, bis wir ihre Symptome gelindert haben. Wichtig sind für viele Patienten auch angst- und schmerzlösende Maßnahmen wie die bei uns angebotene Musik- und Maltherapie, Physiotherapie sowie die psychologische und seelsorgerische Betreuung.

Eindrücke aus 25 Jahren: von originellen Spenden bis zu neuem Berufsbild

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Redaktion: Sind zwanzig Palliativbetten denn ausreichend? Wie ist es überhaupt mit der Palliativversorgung in Deutschland bestellt?
    Dr. Zoz In Großstädten wie Stuttgart ist die Versorgung mit Palliativbetten recht gut. Wir behandeln im Marienhospital ja nicht nur Patienten auf unserer Spezialstation, sondern werden konsiliarisch auch von anderen Abteilungen mit hinzugezogen, wenn dort Kranke mit schweren Schmerzsymptomen liegen.

Redaktion: Woher kommen Ihre Patienten? Wie lange müssen sie auf einen Platz auf Ihrer Station warten?
    Dr. Zoz: Fast alle kommen von anderen Marienhospital-Abteilungen. Zu achtzig bis neunzig Prozent sind es Menschen, die unheilbar an Krebs erkrankt sind. Aber wir behandeln auch Patienten mit neurologischen Erkrankungen wie ALS oder mit schwerer Leberzirrhose. In dringenden Fällen können wir eine kurzfristige Aufnahme gewährleisten, sonst beträgt die Wartezeit bis zwei Wochen.

Redaktion: Worin besteht der Unterschied zwischen Palliativstationen und Hospizen?
    Dr. Zoz: Hospize kümmern sich ausschließlich um sterbende Menschen. Eine Entlassung nach Hause ist nicht mehr vorgesehen. Auf unserer Palliativstation verstirbt nur etwa die Hälfte aller Patienten, manche kommen über Monate bis Jahre immer wieder, und die durchschnittliche Verweildauer beträgt etwa 14 Tage. Da Palliativstationen immer an Krankenhäuser angegliedert sind, kann man den Patienten hier nicht nur mit Medikamenten und Zuwendung helfen, sondern auch etwa mit einer schmerzlindernden Bestrahlung oder Operation.

Kontakt

Palliativstationen

Station L5
(Gebäude St. Luise, Ebene 5)
Telefon: 0711 6489-8168

 

Station L3
(Gebäude St. Luise, Ebene 3)
Telefon: 0711 6489-2674

 

Marienhospital Stuttgart
Eierstraße 56
70199 Stuttgart
palliativ-pflege@vinzenz.de

Information

Faltblatt: Von der Kostbarkeit des Lebens

Alle wichtigen Informationen zur Palliativmedizin am Marienhospital erhalten Sie hier auf einen Blick (PDF-Datei, 438 KB).

Faltblatt lesen >

25 Jahre Palliativstationen (Teil 1)

Hier können Sie den ersten Teil über die Palliativstationen einsehen bzw. nachlesen.

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