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Advent im Marienhospital – unsere Kalendertürchen 2017

Das Motto für den Marienhospital-Adventskalender 2017 heißt:

Foto (Rainer Kruse): Das Motiv zeigt einen Adventskranz, der vom Floristen der klinikeigenen Gärtnerei gestaltet wurde

Freitag, 1. Dezember

Geschichte als ermutigender Lichtstrahl

Das Motto des diesjährigen Adventskalender heißt: „Es macht (doch) Sinn!“ Ja, die Arbeit im Marienhospital macht Sinn. Denn wir Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind – direkt oder indirekt – da für das Wohl kranker Menschen. Und doch kann im täglichen Trubel, in der Hektik und dem vielen Kleinklein der Blick für das große Ganze oder das Sinnhafte leicht aus dem Blick geraten. Es gibt im Alltag immer wieder Situationen, in denen wir in Kontakt mit unserer Motivation und dem Sinn unseres Tuns kommen können. Wenn wir diese wahrnehmen, schenken sie Kraft und machen Manches erträglicher, was nicht rund läuft.
    In den folgenden Tagen des Advents kommen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Marienhospitals zu Wort. Sie erzählen persönliche Geschichten von Momenten, in denen sie spürten, dass das, was sie erleben, Sinn macht. So kann jede einzelne Geschichte ein ermutigender Lichtstrahl sein, der uns an den Sinn unseres eigenen Tuns erinnert.

Samstag, 2. Dezember

 „Es macht (doch) Sinn!“

„Mein "Es-macht-(doch)-Sinn-Moment“ hatte ich vor kurzem in der Oper. Als der Vorhang sich schloss und das Publikum applaudierte, erhob sich das Orchester und ich sah Hanna. Hanna kam im Februar zu uns in Behandlung nach einem Fahrradsturz mit einer komplizierten Fraktur der Grundglieder des vierten und fünften Fingers ihrer linken Hand. Das Problem: Hanna studierte an der Musikhochschule und stand kurz vor ihrer Abschlussprüfung als Bratschistin. Außerdem standen mehrere Vorspiel-Termine an, um sich für ein Master-Studium zu qualifizieren. Noch mit Drähten in der Hand begannen wir die Therapie, auch wenn der vor uns liegende Zeitplan nahezu unmöglich schien. Es wurde geübt, Überstunden wurden gemacht, Hausaufgaben und Trainingspläne erstellt. Doch bis kurz vor dem Termin konnte die Greifhand noch nicht alle Saiten erreichen. Also erhöhten wir erneut die Intensität. 
    Am 21. Juli war es dann soweit: Die praktische Abschlussprüfung stand an. Natürlich waren auch wir dort. Und es zeigte sich, dass Fleiß und Ehrgeiz sich doch lohnen. Hanna bestand! Als Jahrgangsbeste! Mittlerweile macht sie ihr Master-Studium in Köln und spielt im Orchester an der Stuttgarter Staatsoper. Manchmal ist eben doch der Weg das Ziel.

Sarah, activum

Sonntag, 3. Dezember

Glück oder Unglück?

Ein alter Mann und sein Sohn bestellen gemeinsam ihren kleinen Hof. Sie haben nur ein Pferd, das den Pflug zieht. Eines Tages läuft das Pferd fort. „Wie schrecklich“, sagen die Nachbarn, „welch ein Unglück.“ „Wer weiß“, erwidert der alte Bauer, „ob Glück oder Unglück?“
    Eine Woche später kehrt das Pferd aus den Bergen zurück. Es bringt fünf wilde Pferde mit in den Stall. „Wie wunderbar“, sagen die Nachbarn, „welch ein Glück“. „Glück oder Unglück? Wer weiß?“, sagt der Alte.
    Am nächsten Morgen will der Sohn eines der wilden Pferde zähmen. Er stürzt und bricht sich das Bein. „Wie schrecklich. Was für ein Unglück“. „Glück oder Unglück?“, fragt sich der Alte.
    Die Soldaten kommen ins Dorf und holen alle jungen Männer in den Krieg. Den Sohn des Bauern können Sie nicht brauchen, darum beibt er als Einziger verschont.  „Glück? Unglück?“

Schon oft habe ich – sowohl im Privatleben als auch beruflich – erlebt, dass sich vermeintliches Unglück im Nachhinein als Glück dargestellt hat. Mit der Zeit habe ich gelernt, dass sich viele Dinge nicht ändern lassen, meine Einstellung demgegenüber jedoch schon. Daher versuche ich, egal wie negativ etwas für mich im ersten Augenblick auch erscheint, immer auch das Positive darin zu suchen, um schlussendlich sagen zu können „Es macht doch Sinn.“

Thomas, Controlling

Montag, 4. Dezember

„ ... und unser Herr geht mit“


„Nun aufwärts froh den Blick gewandt
und vorwärts fest den Schritt,
wir gehen an unser Meisters Hand
und unser Herr geht mit.“

Dieses Gedicht schrieb mir eine Ordensschwester, nachdem sie nach fast 50 Jahren Arbeit im OP des Marienhospitals in das Mutterhaus nach Untermachtal zurückgekehrt war.
    Ich finde, es illustriert sehr eindrückliche ihre Lebens- und Arbeitseinstellung und zeigt, dass sich der Sinn vieler Dinge auch aus dem täglichen Tun ergibt. Hiervon können wir uns alle inspirieren lassen.

Ulrich, Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie

Dienstag, 5. Dezember

Neuer Glanz für den Heiligen Josef

Sein Aussehen hat mich nie wirklich gestört. Unter guten Freunden schaut man auch nicht so genau auf das Äußere. Da zählen die inneren Werte. Aber manch eine Bemerkung anderer hat mich schon auch nachdenklich gemacht: Sehen die anderen nicht, was ich sehe?
Auch wenn er – zugegebenermaßen – nicht mehr der Jüngste ist, so ist der Heilige Josef, der auf meinem Bürotisch steht, für mich noch immer eine Schönheit. Aber das Wort „Restaurierung“ ging mir schon seit Längerem durch den Kopf. Ich wollte aber nicht so richtig an das Projekt ran, weil ich Angst hatte, ihn von einem Heiligen in bloßen Kitsch zu verwandeln oder – noch schlimmer –  ihm seine heilige Aura zu nehmen.
    Dann geschah es. Vor zwei Wochen fiel mir mein Locher aus der Hand. Beim Versuch, ihn zu fangen, habe ich seinen Stab abgebrochen. Die Entscheidung, ob ich ihn restaurieren sollte oder nicht, wurde mir mit einem Schlag abgenommen. Er schaute nun traurig aus, und ohne seinen Stab wirkte er zudem richtig verloren.
    Zu Schwester Gundina sagte ich, dass ich ihn nach Hause entführen müsste, um das, was ich angestellt hatte, wieder gut zu machen. Ich packte ihn in ein Riesenknäuel Folie, um ihn vor mir und weiteren Unfällen zu schützen. Als ich nach Hause kam, fing ich gleich mit der Arbeit an. Sein Stab wurde wieder geklebt. Das war der einfache Teil! Dann tastete ich mich – von seinem Sockel aus beginnend – an die farbliche Restaurierung seiner Kleidung heran. Das Schlimmste jedoch stand mir noch bevor: sein Gesicht und die Hautpartien. Die Farbe für Josefs Haut bereitete mir schon seit Längerem Kopfzerbrechen und stellte für mich ein Problem dar, für das ich keine Lösung parat hatte. Die Versuche, eine passende Farbe zu mischen, gingen gründlich in die Hose: Von schweinepink bis hin zu bananengelb war alles dabei. Aber irgendwann hatte ich die passende Farbe gemischt. Als Letztes kamen das „Make Up“ und diverse weitere „Highlights“ dazu.
    Ich schaute auf die Uhr und stellte fest,  dass ich fast den ganzen Tag gebraucht hatte. Jetzt stand er vor mir: mein Freund Josef. Die Sonne schien durch das Dachfenster, und der erneuerte Heilige sah richtig prächtig aus. Ich war stolz wie Oskar, dass ich ihn nicht verschandelt hatte. Auch er schien zufrieden mit mir. Am Tag darauf brachte ich ihn wieder zurück  an seinem Platz auf meinem Bürotisch. Als erster sah Ihn Schwester Gundina. Ihre Freude über seine Erneuerung war nicht zu beschreiben. Danach war Frau Maier an der Reihe. Auch Sie war richtig begeistert von seinem neuen „Look“. Schwester Berna wurde kurzerhand gerufen. Auch sie war überglücklich mit Josefs Aussehen.
    Es hat mich viel Überwindung und Arbeit gekostet, Josef den ehemaligen Glanz wiederzugeben. Aber es hat sich jede Sekunde Arbeit gelohnt. Schon allein, um in die glücklichen Gesichter zu sehen. Bei einer Schwester (Name ist der Redaktion bekannt), glaube ich sogar, vor Freude eine kleine Träne im Augenwinkel zu sehen. 

Würde ich wieder machen, mein Freund!

Danny, Küche

Mittwoch, 6. Dezember

DANKE für die gute Ausbildung

Neulich stand eine junge Frau  in unserem Schulsekretariat. Als ich das Zimmer betrat, sagte sie lächelnd: „Sie kenne ich auch noch!“. Ich war etwas verunsichert und musste mir auf die Sprünge helfen lassen. „Ich habe vor sieben Jahren hier auf der Schule meine Ausbildung abgeschlossen“, sagte sie. „Momentan bin ich in einer Klinik in Hamburg. Da geht es so ganz anders zu. Und weil ich gerade in der Gegend bin, dachte ich, schaue ich hier mal vorbei. Ich will Ihnen nähmlich DANKE sagen für die gute Ausbildung. Wie gut sie war, ist mir erst später klar geworden.“
    Ich war gerührt, denn das klang sehr ehrlich und wertschätzend. Oft zweifle ich, ob das, was wir mit unseren Auszubildenden machen, was wir ihnen lehren und anbieten, Sinn macht und sie für die Zukunft vorbereitet. Bei vielen – eher kritischen – Rückmeldungen tut solch ein Gespräch wirklich gut und zeigt mir wieder: Es macht (doch) Sinn!

Stefan, Lehrer an der Schule für Gesundheits- und Krankenpflege

Donnerstag, 7. Dezember

Hilfe, den Weg zu erkennen

Eine junge Frau kam mit Tränen in den Augen ins PIZ. Sie hatte gerade ein Gespräch mit den Ärzten auf der Intensivstation, ihre Mutter liegt im Koma. Sie sollte entscheiden, ob die lebenserhaltenden Geräte abgeschaltet werden sollen oder nicht und fühlt sich damit komplett überfordert. Es gibt keine weiteren Angehörigen, die sie in diese Entscheidung miteinbeziehen könnte und weiß jetzt nicht, wie sie vorgehen soll. „Wie komme ich zu einer Entscheidung, mit der ich weiterleben kann?“ Wir sprachen darüber, was denn ihre Mutter gewollt hätte und auch, dass sie sich die Zeit nehmen kann, die sie braucht, um eine Entscheidung treffen zu können. Wir redeten darüber, an wen sie sich noch wenden könnte, um sich klarer zu werden.
    Am Ende des Gesprächs meinte sie: „Vielen Dank! Das Gespräch hat mir sehr geholfen. Ich sehe jetzt klarer und erkenne einen Weg, wie ich zu einer Entscheidung kommen kann. Ich fühle mich auch bestärkt, eine Entscheidung zu treffen.“

Marianne, Mitarbeiterin des Patienten-Informationszentrums (PIZ)

Freitag, 8. Dezember

Zuhören, nachspüren, ...

Als Seelsorgerin am Marienhospital gebe ich keine Tabletten, kann Schmerzen nicht durch eine Spritze lindern und habe keinen Therapieplan, den ich verfolge. Ich bin mit Patientinnen und Patienten im Gespräch, bin offen für ihre Anliegen, nehme mir Zeit, höre zu, spüre dem nach, was an Gefühlen wahrzunehmen ist und erlebe intensive Begegnungen am Krankenbett. Immer wieder beschäftigt mich dann beim Verlassen eines Zimmers die Frage: Konnte ich dem Patienten weiterhelfen? Oft bin ich bei der Antwort angewiesen auf mein Vertrauen darauf, dass die Begegnung hilfreich und wohltuend war.
    Etwas Besonderes ist es, wenn mich Monate nach einer Begleitung eine Postkarte von einer Patientin erreicht, die schreibt: „Ich möchte mich für die vielen Gespräche bedanken, die wir führten. Ich merke, wie sie in mir immer noch nachklingen und dass sie mir sehr geholfen haben.“ Es macht also (doch) Sinn!

Franziska, Mitarbeiterin der Krankenhausseelsorge

Samstag, 9. Dezember

Weltwasserbaum

An meinem Arbeitsplatz sind Menschen aus aller Welt tätig. Bei uns werden derzeit elf verschiedene Muttersprachen gesprochen. Wenn jeder Mensch den anderen in seiner Fremdheit akzeptiert und sich für seinen Nächsten einsetzt, dann macht Vielfalt Sinn.
    Ich habe am 21. Juni 2015 einen Baum gepflanzt. Dieser Baum soll Wasser aus der ganzen Welt aufnehmen und dadurch wachsen. An seinen Früchten erkennen wir die eine Welt. Viele meiner Arbeitskollegen haben diese Vision bereits mit einer Wasserspende aus ihrer Heimat unterstützt. Für weitere Wasserspenden sind wir sehr dankbar.
    Alle Wasserspenden werden im Internet veröffentlicht. Näheres unter www.weltwasserbaum.de  oder https://twitter.com/weltwasserbaum

Andreas, Mitarbeiter der Krankenhausküche

Sonntag, 10. Dezember

Wertvolle Diamanten

Es macht (doch) Sinn, immer wieder auf die Formulierung „der Patient mit den Gallensteinen“ zu achten und nicht vom „Gallenstein“ zu sprechen … oder so zu denken.
Das ist mir wichtig – auch nach Jahrzehnten routinierter Arbeit mit sehr vielen Patienten. Ich komme dem Sinn meines Tuns dadurch näher.
Willkommen in der Welt der „chronisch sprachlichen Konsequenz“, die Nuancen der Sprache als klitzekleine, wertvolle Diamanten schenkt.

Konstanze, Gesundheits- und Krankenpflegerin

Montag, 11. Dezember

Dankbar für Begegnung

In meiner Ausbildungszeit war ich auf der HNO unseres Hauses. Dort begegnete ich einer wundervollen Frau, die leider schwer an Krebs im Halsbereich erkrankt war. Ich erinnere mich daran, wie wir bei der Visite standen und die Ärzte ihr sagten, dass eine OP ihr Leben verlängern könnte, sie jedoch eventuell ihre Mimik verlieren würde.
Nach der Visite war die Patientin am Boden zerstört. Ich blieb bei ihr und sie erzählte, was sie sich in ihrem Leben noch wünschte, dass sie nie die Welt gesehen und bereist habe. Sie sagte auch, dass ihr ihre Mimik so wichtig sei, um all die Emotionen ausdrücken zu können. Die Ärzte haben ihr bis zum nächsten Tag Zeit gegeben, um sich zu entscheiden.
    Mittags kam sie mir dann auf dem Flur entgegen und nahm mich ganz fest in die Arme. Sie weinte, und wir standen einfach so da. Dann sagte sie: „Ich habe mich entschieden!“ Mein Herz stockte dabei. Sie lächelte mich an und sagte: „Ich werde die Operation nicht machen. Mein Mann und ich gehen auf eine allerletzte Weltreise. Er hat ein Ticket gekauft, und wir werden all die Orte sehen, die ich nur von Fotos oder aus Büchern kenne. Jetzt endlich erfülle ich mir meinen Traum. Ich werde lachen, bis mir die Wangen, mein Kiefer und mein Bauch wehtun. Und ich werde weinen und alle Tränen genießen, die ich auf meinem Gesicht spüren kann. Und ich werde an dich denken auf meiner Reise. Die letzte Reise meines Lebens.“ Wir verabschiedeten uns weinend. Sie verließ die Station und machte sich direkt auf den Weg zum Flughafen.
    Diese wundervolle, mutige und lebensfrohe Frau werde ich nie vergessen. Sie beschenkte mich an diesem Tag mit so vielem mehr als nur Sinnhaftigkeit, und ich bin bis heute zutiefst dankbar für diese Begegnung.

Nallely, Pflegekraft auf der Station M9

Dienstag, 12. Dezember

„Ein Gesicht zum Namen, sehr schön!"

Gestern Abend in der Aula im Bildungszentrum: Eine Veranstaltung, an der circa 70 Menschen teilnehmen. Diese werden gebeten, sich in kleinen Gesprächsgruppen von 6-7 Personen zu treffen. Stühlerücken, Verständigungssignale, hier einen kleinen Kreis zu bilden, Blicke, die eine weitere Personen suchen, Einladung doch Platz zu nehmen.

   Ich gehe an einigen Gruppen entlang und schnappe auf: „Ich wüsste gerne, wer Sie sind.“; „Ich kenne nicht alle hier im Kreis – aber mich interessiert, wer da ist.“; „Wir kennen uns noch nicht.“

   Und dann gibt es spontan eine kleine Vorstellungsrunde aus der man hören kann: „Ach der sind Sie – wir haben uns schon Mails geschrieben. Jetzt gibt es ein Gesicht zum Namen, sehr schön!“

   Ob sie auch noch über das Thema reden, das ich für das Gespräch in der Gruppe benannt habe? – Zunächst egal! Denn hier entstehen Beziehungen – es kommen Menschen auf eine freundliche Weise in Kontakt, die an einer gemeinsamen Sache arbeiten. Das macht Sinn!

Thomas, Leitung Bildungszentrum

Kontakt

Konvent Marienhospital Stuttgart

Böheimstraße 37
70199 Stuttgart
Schwester Arntraud Krieger
Telefon: 0711 6489-2900
sr.arntraud@vinzenz.de
Weitere Infos ...

Genossenschaft der Barmherzigen Schwestern vom hl. Vinzenz von Paul

Margarita-Linder-Straße 8
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Telefax: 07393 30-560
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