Home > Presse > Tansania abseits touristischer Pfade
  Schrift     Kontrast   Drucken   Schließen  

Tansania abseits touristischer Pfade

Anfang der 1960er-Jahre begannen vier Schwestern aus Untermarchtal mit dem Aufbau verschiedener Missionsprojekte im Südwesten Tansanias. Das Engagement der Vinzentinerinnen stieß auf fruchtbaren Boden. Neben einer deutschen Ordensfrau sind heute rund 230 tansanische Schwestern an 22 Standorten aktiv, um die Not Hilfebedürftiger aller Generationen zu lindern. Unter dem Motto „Tansania entdecken – abseits touristischer Pfade“ veranstalteten die Barmherzigen Schwestern 2017 erstmals eine Rundreise für Interessierte durch das ostafrikanische Land. Bettina Grosch, Mitarbeiterin im Marienhospital, war dabei und schildert im folgenden Bericht immer wieder einige Eindrücke von der dreiwöchigen Reise.

Eindrücke von der Reise in Tansania

Schüler der Gehörlosenschule in Ruhuwiko
Vinzentinische Schwestern in Tansania
In der Haushaltschule werden Mädchen zu Köchinnen oder Näherinnen ausgebildet.
Das Gästehaus am Mbamba Bay
Auch Kindergärten gehören zu den Einrichtungen der Schwestern in Tansania
Gemüse und Obst in der Markthalle in Songea
Zwei der vinzentinischen Schwestern vor der Station in St. Loreto
In Gesundheitsstationen kümmern sich die Schwestern um Kranke.
Kirche des Regionalhauses in Mbinga
Gästehaus in Ruhuwiko

 

Erste Eindrücke

„Die Dusche heute Morgen war sehr kurzweilig und sehr erfrischend. Warmes Wasser gibt es selbstverständlich auch. Allerdings hätte ich mit dem Eimer, der im Bad steht, Wasser aus dem Boiler, der draußen im Innenhof steht, holen müssen. Dies war mir dann zu stressig, ich habe Urlaub“, schreibt Bettina Grosch in ihrem Blogbeitrag nach Ankunft der zwölfköpfigen Reisegruppe in Dar es Salaam, der Hauptstadt Tansanias. Und: „Die Zimmer sind hier teilweise recht lebendig. Gestern Nacht hatte ich einen Mitbewohner, einen kleinen Gecko, er hatte allerdings mehr Angst vor mir als ich vor ihm und schwupp hatte er sich in meinem Zimmer versteckt. Den kleinen schwarzen Frosch, der mir auf die Hand gehopst ist als ich die Terrassentür zu geschoben habe, habe ich dann aber doch höflich aber bestimmend aus meinem Zimmer geschubst.“ 

Koffer sind größer als die Kinder

Mit Reiseleiter Friedhelm und einem kleinen Bus macht sich die Gruppe auf den Weg zu verschiedenen Missionsstationen der Schwestern im Süden des ostafrikanischen Landes. Aber auch touristische Sehenswürdigkeiten wie der Ruaha Nationalpark, uralte Sandsteinsäulen oder das Nationalmuseum in Songea stehen auf dem Programm. In Mtwango Ilunda, dem Dorf der Hoffnung für Aidswaisen, werden die Gäste sehr herzlich von den Schwestern und Kindern mit einem Lied begrüßt. In den neun Häusern des Dorfes leben je acht bis zehn Kinder. Die Jüngsten sind wenige Wochen alt. Sie leben in der Regel bis Abschluss der Grundschule in Ilunda und kehren dann in ihre Großfamilien zurück. Die Kinder wollen unbedingt die Koffer der Besucher ins Gästehaus rollen. „Wir machen uns Sorgen, denn die Koffer sind teilweise größer als die Kinder“, berichtet Bettina Grosch. 

Kurzweilige Messe

Vom Kinderdorf führt die Reise nach Ruhuwiko zur Gehörlosenschule. Auf dem Weg dort hin gibt es eine Zwangspause: Der Auspuff ist kaputt. Aber schließlich kommt die Gruppe noch bei Tageslicht gut in Ruhuwiko an. Dort leben etwa 20 Barmherzige Schwestern. Sie sind vor allem in der Schule und im Internatsbetrieb als Erzieherinnen, Lehrerinnen und in der Schulleitung tätig. Rund 150 gehörlose oder Schüler mit Hörschädigung bekommen neben dem regulären Unterricht Kenntnisse im Nähen oder Schreinern vermittelt. Bettina Grosch ist beindruckt von der Tanzaufführung der gehörlosen Schüler: „Unterschiedliche Gruppen, groß und klein, präsentieren uns in Begleitung von großen, lauten Trommeln ihre Tänze. Es ist bewegend und rührend den Kindern und Jugendlichen zuzuschauen und zu sehen, welche Freude und welchen Spaß sie dabei haben.“ Bei der Sonntagsmesse am nächsten Morgen ist die Kirche rappelvoll. Es gibt keine Orgel, dafür aber einen großen, stimmstarken Chor. Bettina Grosch: „Die Stimmung war sehr fröhlich und die Messe, obwohl sie zwei Stunden ging, sehr kurzweilig.“

Herzlicher Empfang

Beim nächsten Stopp der Reise, das Regionalhaus der Schwestern in Mbinga, werden die Reisenden herzlich mit Kuchen und Kaffee empfangen. Der Schwesternkonvent dort besteht aus rund 70 Schwestern. Dazu kommen noch 15 Novizinnen, die die letzten beiden Jahre ihrer Ausbildung zur Schwester ebenfalls im Mutterhaus verbringen. Schwester Kaja führt durch die großzügige Klosteranlage mit Bäckerei, Näherei, Küche, Wäscherei und vielem mehr. In der ebenfalls dort gelegenen Hauswirtschaftsschule werden zur Zeit 80 Schülerinnen als Köchin oder Näherin ausgebildet. In der Nähe des Regionalhauses befinden sich auch die Wohn- und Unterrichtsgebäude des Nazareth Colleges, einem Seminar für Erzieherinnen und Grundschullehrerinnen. Auch dieses wird von gut 80 Schülerinnen in zwei Jahrgängen besucht, die jedoch älter sind als die Haushaltungsschülerinnen und einen erfolgreichen Abschluss der weiterführenden Schule vorweisen müssen. Zum Nazareth College gehört ein Kindergarten, in dem die Schülerinnen des Seminars immer wieder eingesetzt werden und das Gelernte praktisch anwenden können. Diesen Kindergarten besuchen 415 Kinder. In der Stadt betreiben die Schwestern das Haus St. Katharina, ehemals ein Altersheim, jetzt ein Waisenhaus.

Schwimmen und Faulenzen

Nach vielen Stunden auf staubigen Straßen kommen die Reisenden schließlich in Mbamba Bay an. Das Gästehaus der Schwestern liegt direkt am Nyassasee. Nach vielen bewegenden Eindrücken und Besichtigungen ist nun zum Abschluss der Reise Faulenzen und Schwimmen angesagt. Die Fischer und Kinder, die im See baden und sich waschen, werden von den Besuchern aus Deutschland aus respektvollem Abstand beobachtet. Schließlich, zurück in Dar es Salaam, schreibt Bettina Grosch: „Wie in jeder anderen Großstadt, es wuselt. Sehr viele Menschen, sehr viel Verkehr, Stau und geschäftiges Treiben. Ich denke an einen Ameisenhaufen, einen Bienenstock. Unser erster Halt ist im Markt der Holzschnitzer. Weiter geht es zum Markt der Maler anschließend in einige Läden der Stoffhändler. Der „Kaufrausch“ infiziert uns und hat uns voll im Griff. Mittlerweile sind einige von uns so mutig, dass wir selbstständig und alleine handeln, was wiederum unseren Friedhelm zum Schmunzeln bringt. Und es ist mir egal, ob ich zu viel bezahlt habe oder nicht. Ich bin in Afrika, und das ist/war es mir wert!“

Auch 2018 bieten die Barmherzigen Schwestern in Untermarchtal wieder eine Gruppenreise zu ihren Einrichtungen in Tansania an. Nähere Informationen finden Interessenten unter http://www.missionsprokura.org/news_neu/ 

© Marienhospital Stuttgart 2018. Alle Rechte vorbehalten | Home | Suchen | Impressum | Datenschutz | Haftungsausschluss | Sitemap